| Der 79-jährige Architekt Helmut Zeibig aus Hannover zeigt sich dankbar für sein langes Leben und baut eine Wohnanlage für verdiente, arme Senioren Auf 350 Quadratmetern Wohnfläche, direkt neben einem Landschaftsschutzgebiet, sollen ab Mai 2007 bis zu 20 Senioren und Seniorinnen mietfrei leben können. Folgende Voraussetzungen müssen sie allerdings mitbringen: Sie müssen arm sein und sich bei ehrenamtlichen Tätigkeiten verdient gemacht haben. Das ist eine Idee des 79-jährigen Architekten Helmut Zeibig, der in seinem langen Berufsleben sehr erfolgreich war und von seinem Reichtum jetzt etwas abgeben will. Mit dem in Edemissen bei Hannover lebenden Wohltäter hat unser Redakteur Dr. Stefan Raab gesprochen.
BAGSO Nachrichten: Guten Tag, Herr Zeibig, wie ist der aktuelle Stand beim Ausbau Ihrer Seniorenwohnanlage? Helmut Zeibig: Das Richtfest konnte bereits gefeiert werden und der Innen- und Außenausbau ist abgeschlossen. Im Mai 2007 soll die Seniorenwohnanlage dann fertig gestellt sein. BAGSO Nachrichten: Wie sind Sie eigentlich auf die Idee gekommen, eine Seniorenwohnanlage für verarmte, aber ehrenamtlich tätige Senioren und Seniorinnen zu bauen? Helmut Zeibig: Tja, wie? Das ergibt sich im Leben, ja. Ich bin ja nun auch schon 79 Jahre. Ich weiß, wie es ist, alt zu werden. BAGSO Nachrichten: Wie ist das denn, Herr Zeibig? Helmut Zeibig: Das ist ein gewisser fleischlicher Vorgang. Man merkt das gar nicht so. In meinen Gedanken bin ich 36, aber ich merke, dass der Körper auch noch da ist. So ist das. Da merkt man das Altwerden. Ich bin immer aktiv gewesen, und das ist für mich die beste Medizin. BAGSO Nachrichten: Sie sprechen von Ihrer beruflichen Tätigkeit. Helmut Zeibig: Ja, richtig. Ich baue ja noch. Ich baue ja noch andere Häuser, und ich habe wieder einen neuen Haustyp auf dem Reißbrett. BAGSO Nachrichten: Haben Sie sich auch an den Satz Ihrer Mutter „Junge, wenn du groß bist, kümmere dich um die Alten“ erinnert? Helmut Zeibig: Ja, das hat meine Mutter gesagt. Wissen Sie, meine Mutter ist ein Vorbild für mich. Sie hat mich zur Welt gebracht, und dann muss ich auch ihre Worte würdigen. BAGSO Nachrichten: Sie schreiben, dass Sie als Architekt mit Haustypen wie dem „Landhaus Wiburg“ und dem Wohnhaus „BURGWALL“ etwas Neues geschaffen haben. Gilt das auch für die Seniorenwohnanlage? Helmut Zeibig: Ja, das ist eine Erweiterung des Haustyps „BURGWALL“. Auf die Idee dafür bin ich 1995 gekommen. Das Gebäude erinnert an eine Burg, darum herum eine Art Wall. So ist der Name entstanden, und es wurde sofort gekauft. Weil es eben etwas völlig Neues war. BAGSO Nachrichten: Sie betonen, dass Sie Ihre Zeit als Luftwaffenhelfer von ´Juli ´43 bis November `44 sehr geprägt habe. Können Sie sagen, was dieser Lebensabschnitt für Sie bedeutet? Helmut Zeibig: Ich war dankbar dafür, dass ich durchgekommen bin. Eines muss man sagen: Wir jungen Männer sind damals nicht gefragt worden, wir sind nach Berlin gekommen und wurden dort ausgebildet. Mein Flak-Leutnant ist der spätere Bundeskanzler Helmut Schmidt gewesen. Der hat mich mitgeprägt. BAGSO Nachrichten: Inwiefern? Helmut Zeibig: Helmut Schmidt war für mich ein Vorbild. Von ihm habe ich Disziplin, Geradlinigkeit und Pflichterfüllung gelernt. Das, was ich äußere, ist Pflichterfüllung. Meine Auffassung ist: Ich leben nicht für mich, ich lebe für andere. Als Architekt bin ich Erfüllungsgehilfe. Ich bin nicht der große Mann, sondern gehe auf die Wünsche der Bauherren ein. Ich bin Fachmann und muss meine Pflicht erfüllen. Und zwar ehrlich, ganz klar. BAGSO Nachrichten: Ein Ausschuss von Stiftungsvorstand und -beirat entscheidet über den Einzug der künftigen Bewohner. Wann können sich Interessierte bei Ihnen bewerben? Helmut Zeibig: Viele Menschen haben bereits angerufen, aber ich musste sie auf Februar vertrösten. Ich muss mich jetzt erst einmal auf die Fertigstellung des Baues konzentrieren. Ab Februar können sich Interessierte dann bei der Helmut-Zeibig-Stiftung bewerben. BAGSO Nachrichten: Vielen herzlichen Dank für das Interview, Herr Zeibig.
Weiterführende Informationen: Der Architekt Helmut Zeibig wurde 1927 in Berlin geboren und kam nach dem Studium als freier Architekt nach Braunschweig. Seit 1975 lebt er im Peiner Land. 1980 gründete er die Wohnpark-Baugesellschaft, die sich mit preiswerten Massivhäusern in sehr kurzer Bauzeit einen Namen machte. Die Helmut-Zeibig-Stiftung wurde im Mai 2005 gegründet. Stiftungszweck: Bürger, die sich selbstlos fürs Gemeinwohl eingesetzt haben und im Alter mittellos geworden sind, sollen mietfrei wohnen können. Und zwar in einer Wohnanlage, die Zeibig im Edemissener Stadtteil Rietze bauen lässt.
Helmut-Zeibig-Stiftung Alte Heerstraße 15 31234 Edemissen, OT Rietze Telefon: 05373/7522 Fax: 05373/2622
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