| von Dr. Stefan Raab
Für Christa Hess ist schon immer klar gewesen, dass sie im Alter einmal anders leben wollte. Elke von Mrozek denkt an gegenseitige Hilfeleistungen zwischen Nachbarn. Und Melanie Grave findet es einfach langweilig, ihr Leben im Alter allein im eigenen Haus zu verbringen. Die drei Frauen zwischen 48 und 70 Jahren gehören einem Schorndorfer Wohnprojekt an, das aus der Lokalen Agenda 21 hervorgegangen ist. Jetzt wollen sie unter dem Dach der Stuttgarter Baugenossenschaft „pro...gemeinsam bauen und leben“ ihr eigenes Generationen übergreifenden Wohnkonzept umsetzen. Baubeginn soll im Frühjahr 2006 sein.
Beton oder Kalkvollstein? Vor ein paar Tagen sind konkrete Fragen der Bauplanung zu beantworten gewesen, sagt Melanie Grave: „Verwenden wir Beton oder Kalkvollstein? Können wir uns eine Solaranlage leisten? Brauchen wir einen Fahrstuhl?“ Die temperamentvolle 70-Jährige war von Anfang an dabei und meint, dass das Wohnprojekt die bisherigen drei Jahre vor allem auch ein Leben in der Gruppe gewesen sei: „Das ist ein Prozess in ökologischer und gemeinschaftlicher Hinsicht.“ Bereitwillig geben die Projektmanagerinnen zu, dass ihnen der Gedanke an die räumliche Nähe in der geplanten Nachbarschaft nicht leicht gefallen sei. Jede von ihnen verfügt über keinerlei Erfahrungen in Wohngemeinschaften und legt großen Wert darauf, die eigene Tür nach Wunsch hinter sich zumachen zu können.
Dass für die Gruppe das Generationen übergreifende Wohnen sehr wichtig ist, unterstreicht Melanie Grave: „Die Ansammlung alter Menschen in Heimen finde ich schrecklich, ich bevorzuge den Kontakt zu Jüngeren.“ Christa Hess ergänzt: „Die Herausforderung mit Jüngeren zu suchen, hält uns fit.“ Allerdings denkt die 62-jährige Schorndorferin auch an den Fall, dass sie einmal Pflege benötigen könnte: „Man weiß ja nicht, was kommt, aber wenn sich die Bewohner schätzen, dann könnten sie sich gegenseitig pflegen.“ Dem kann Elke von Mrozek sofort zustimmen, wobei die 48-Jährige betont, dass mit dem Zusammenleben keinerlei Verpflichtung in dieser Hinsicht verbunden sei.
Zusammenleben als gemeinsames Ziel Das geplante Miteinander am Schorndorfer Mühlbachtal basiert nicht nur auf ökologischen Standards, wie die Verwendung von Kalkvollstein. Vielmehr will das Wohnprojekt ein lebendiges Wohnklima schaffen, in dem soziale Kontakte die Regel, nicht die Ausnahme sind. Vielfältige Aktivitäten, wie z.B. Musizieren, werden im autofreien Wohnhof eine große Rolle spielen, zeigen sich die drei Wohnprojektmanagerinnen zuversichtlich. „Das ist ein großes Abenteuer, und wir suchen noch einige Mitbewohner, die sich uns anschließen“, sagt Melanie Grave.
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