Das Kölner Projekt „Wohnen für Hilfe” initiiert „Wohnpartnerschaften“ zwischen Senioren und wohnungssuchenden Studenten
In der heutigen Zeit gehen alte und junge Menschen oft getrennte Wege, Lebensgemeinschaften zwischen Jung und Alt sind eine Seltenheit geworden, die Anzahl der Singlehaushalte in Großstädten steigt stetig. Wie kann der Austausch zwischen den Generationen angekurbelt werden, wie können sich Jung und Alt gegenseitig helfen und stützen in einer Zeit, in der die Alterspyramide Kopf steht, und es immer mehr ältere Menschen mit Unterstützungsbedarf geben wird?
Das Projekt „Wohnen für Hilfe“ bietet neue Antworten mit der Idee einer Wohnpartnerschaft: Senioren stellen Studierenden ungenutzten Wohnraum zur Verfügung, für den diese keine Miete zahlen, sondern Hilfeleistungen in alltäglichen Dingen erbringen, wie z.B. Fenster putzen, Einkäufe erledigen, Rasen mähen. Dabei gilt: Pro bezogenem Quadratmeter wird eine Stunde Hilfe im Monat geleistet, wobei pflegerische Tätigkeiten ausgeschlossen sind.
Betrachtet man die Einwohnerzahlen der Stadt Köln, wird diese Idee bestärkt. Hier leben auf der einen Seite über 70.000 Studierende, die auf der Suche nach günstigem Wohnraum sind. Studentenwohnheime können nicht alle Suchenden auffangen; ihre Wartelisten sind ebenso lang wie die bei Wohnungsbesichtigungen. Drohende Studiengebühren erschweren die Finanzierbarkeit von Wohnraum und Studium zusätzlich.
Senioren wollen im gewohnten Lebensumfeld bleiben
Auf der anderen Seite leben in Köln über 200.000 Personen, die älter als 60 Jahre sind, viele von ihnen in größeren Wohnungen oder Häusern, deren Wohnraum teilweise leer steht, sei es, weil die Kinder ausgezogen sind oder der Ehepartner verstorben ist. Die meisten Senioren möchten ihr gewohntes Lebensumfeld dennoch nicht aufgeben, sie sind aber zur Bewältigung des Alltags auf gelegentliche Hilfeleistungen in Haus und Garten angewiesen.
Warum also nicht auf freistehenden Wohnraum verzichten, ihn Studierenden zur Verfügung stellen und von diesen im Gegenzug Unterstützung im Alltag erhalten? Der Umzug in ein Alten- oder Pflegeheim kann so in vielen Fällen hinausgezögert und der Vereinsamung im Alter entgegengewirkt werden. Zugleich kann die Verwirklichung solcher Wohnpartnerschaften den Dialog zwischen Jung und Alt fördern und das Verhältnis zwischen den Generationen neu beleben.
Kölner Projekt „Wohnen für Hilfe“ wird wissenschaftlich begleitet
Wie dieses gelingen kann und ob sich das Zusammenleben in einer solchen Wohnpartnerschaft positiv auf die Zufriedenheit und Eigenständigkeit älterer Menschen auswirkt, diesen Fragen will die wissenschaftliche Begleitung des Projektes unter der Leitung von Dr.H.C. Berghaus und Dr. H. Milz vom Zentrum für Heilpädagogische Gerontologie der Universität zu Köln bis März 2008 nachgehen. Finanziell gefördert wird das Projekt „Wohnen für Hilfe“ in dieser Zeit durch das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW.
Das Projekt ist auch eine Kooperationsarbeit zwischen dem Zentrum für Heilpädagogische Gerontologie der Heilpädagogischen Fakultät der Universität zu Köln, der Seniorenvertretung der Stadt Köln und dem Allgemeinen Studierendenausschuss der Universität zu Köln (ASTA).
Wenn sich diese Art des Dialoges und der gegenseitigen Hilfe zwischen Jung und Alt durchsetzt, kann sich „Wohnen für Hilfe“ als eine alternative Wohnform in unserer Gesellschaft etablieren und auf eigenen Füßen stehen.
Kontakt
Sandra Wiegeler Projektbüro „Wohnen für Hilfe“ Frangenheimstr. 4, 50931 Köln Tel.: 0221/4707933 Fax: 0221/4707934 E-Mail: wfh@hrf.uni-koeln.de
www.wfh-koeln.de
Jeden 1. Dienstag Info-Café von 15.00 –17.00 Uhr in der Heilpädagogischen Fakultät, Raum 10/11.
Quelle: BAGSO Nachrichten 2/2006
< zurück |