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„Die Wabe“ ist Heimat für junge und alte Bewohner

Projekt für generationsübergreifendes Wohnen in Stuttgart

Stuttgart. Schlagzeilen wie „Toter liegt wochenlang unbemerkt in Wohnung“ haben Marlies Beitz aufgeschreckt. Sie nahm sich vor: „Einsam und vergessen – so will ich nicht sterben.“ Deshalb hat die 58-jährige Frührentnerin vorgesorgt. Nicht „Altengettos“ wie betreutes Wohnen oder ein Seniorenheim schwebten ihr vor. „Ich wollte wie in einer Familie auch mit jungen Leuten zusammen sein.

Vor vier Jahren ist sie tatsächlich in die Wabe eingezogen. Dies ist ein Haus mit fünf Stockwerken in Stuttgart, in dem 36 Menschen in zwölf Sozial- und drei Eigentumswohnungen zusammen wohnen. „Gemeinschaft bilden unter Wahrung der Eigenständigkeit“ ist ein Credo der Bewohner. Nach den Worten von Martin Link Chef der Genossenschaft „pro…gemeinsam bauen und leben eG“, ist das generationenübergreifende Wohnen die Wohnform der Zukunft. Er sieht aber auch die Grenzen solcher Projekte: „ Das ist immer eine schwierige Balance, weil man Überforderungen vermeiden muss und es immer Leute gibt die aktiver sind als andere.“

Auch Wabe-Bewohnerin Beitz hat das lernen müssen. „Es gab Enttäuschungen“, räumt sie mit Blick auf solche Nachbarn ein, die sich eher aus der Gemeinschaft zurückziehen. Dennoch zieht sie eine durchweg positive Bilanz. Mit ihrer 72-jährigen Nachbarin verbindet sie eine enge Freundschaft. Auch den Nachbarn von unten, der allein erziehenden Mutter Barbara Rietmaier mit ihrem Sohn, ist sie herzlich verbunden. Dem 19-Jährigen war die ehemalige Lehrerin während seiner Schulzeit hilfreiche Beraterin. Der Junge weiht sie dafür in die Geheimnisse des PCs ein. „Das Haus ist Heimat“ fasst Barbara Rietmaier zusammen. Die ältere Nachbarin ist von einer afghanischen Familie als Oma für die drei kleinen Mädchen ausgewählt worden. Deren Vater bekocht sie dafür fast jeden Tag. Eine Einschränkung im Zusammenleben gibt es schon: „Die tägliche Pflege will ich niemandem zumuten“, sagt Rietmaier. Da müsse ein professioneller Pflegedienst einspringen.

Auch beim  Landesseniorenrat Baden-Württemberg rät man davon ab, sich über die Hilfsbereitschaft seiner Umwelt Illusionen zu machen. „Meist ist eine solche Wohnform nicht die letzte Wohnstätte meint Geschäftsführerin Birgit Faigle. Bei erhöhtem Pflegebedarf habe ein alter Mensch keine Garantie dass die Gemeinschaft ihn auffängt. Man muss die stationäre Pflegeeinrichtung einfach in Erwägung ziehen“, sagt Faigle.

Quelle: Pforzheimer Kurier

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